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Christen und Muslime trafen sich auf dem Obermarkt

Gebet der Religionen

Das Fest der Kulturen als buntes Programm des Interkulturellen Runden Tischs mit vielen Beiträgen kann man in diesem Jahr coronabedingt nur im Fernsehen erleben. Am Freitag, 9. Oktober, 18.30 Uhr, wird es unter dem Motto „Worms – Stadt der Vielen und der Verschiedenen“ live vom Offenen Kanal übertragen. Das Gebet der Religionen aber, das seit vielen Jahren den Auftakt zum Fest der Kulturen macht, wollten die Organisatoren nicht ausfallen lassen. Deshalb trafen sich Christen und Muslime wie gewohnt in großer Runde auf dem Obermarkt.

Ev. LuthergemeindeChristen und Muslime trafen sich mit Pfarrerin Dr. Erika Mohri auf dem Obermarkt.Christen und Muslime trafen sich mit Pfarrerin Dr. Erika Mohri auf dem Obermarkt.

Das Vorbereitungsteam um Pfarrerin Dr. Erika Mohri, die das gemeinsame Gebet vor Jahren ins Leben gerufen hat und seither auch immer leitet, hatte sich für diesen Morgen Gedanken zum Thema Covid-19 gemacht und entsprechende Texte vorbereitet. Zur Einstimmung spielte der Kurde Abdul Hadi Syfkhan eine meditative Weise auf der Saz, der typischen Langhalslaute.

Über allen Beiträgen stand der Psalm 91, der die Gewissheit des göttlichen Schutzes in allen schwierigen Situationen des Lebens zum Ausdruck bringt. Er wurde in Deutsch von Bartho Forchner-Thöne, Pax Christi, und mit einigen Versen auch in Französisch von Pastor Samuel Denascimento, afrikanische Gemeinde, und in Englisch von Promise Kliebe, Ghana Union, verlesen.

Büşra Haltaş vom Vorstand des türkisch-islamischen Kulturvereins (DITIB) beschrieb die Entbehrungen, die Corona mit sich gebracht habe. „Weder in Freude noch Trauer konnten wir uns umarmen“, sagte sie. „Unsere Feste konnten wir nicht gemeinsam feiern. Um so mehr müssen wir unsere Gemeinsamkeit stärken und uns seelisch einander nähern.“

Der Lockdown habe zwar mit sich gebracht, dass man viel Zeit mit der Familie verbringen konnte, führte Kemal Esmer, Dede der alevitischen Gemeinde, aus, aber die Menschen mussten auch mit weniger Geld auskommen, ja, sogar um ihren Arbeitsplatz fürchten. Die Kinder konnten nicht in Kindergarten und Schule, die häusliche Enge habe oft zu Streit und Gewalt geführt.

Promise Kliebe schilderte die Situation in Afrika. Die Zahlen der Infizierten seien zwar vergleichsweise niedrig, doch hätten die Menschen dort oft keinen Arbeitnehmerschutz, Kranke seien häufig nicht versichert. Als weiteres Übel nannte sie die Heuschreckenplage, vor allem in Kenia und anderen Staaten, die die Existenz der Menschen bedrohe. Die gebürtige Libanesin Wadad Landua bat in einem bewegenden Gebet die heilige Mutter Maria von Harissa um Hilfe für ihr Land. Aydın Gecgel, Geschäftsführer der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), sprach in einer geradezu philosophischen Rede die Hoffnung aus, dass die Corona-Krise zu einer Neubesinnung führen möge. Dem schloss sich auch Pfarrerin Mohri an, indem sie den Blick auf das Verhältnis des Menschen zur Natur lenkte und zu einem veränderten Umgang mahnte. Wer mochte, konnte dann vorbereitete Bittgebete verlesen, ehe man mit dem Gruß „Schalom“, „Salem Aleikum“ und „Friede sei mit euch“ auseinanderging. 

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