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Pluralität und Seelsorge

Kultursensible Seelsorge: Wissen, wie Menschen mit anderem Glauben ticken

Bildquelle: gettyimages, anchiyMuslimaEvangelische Seelsorgende treffen vermehrt auf muslimische Hilfesuchende, deshalb braucht es einen kultursensibler Umgang beispielsweise in Krankenhäusern und der Notfallseelsorge (Symbolbild)

Evangelische Krankenhaus- und Notfallseelsorgende treffen zunehmend auf Menschen muslimen Glaubens. Um den Kontakt für die Gesprächspartner fruchtbar zu gestalten, braucht es einen kultursensiblen Umgang. Impulse dazu bietet die interreligiöse Fachtagung mit Kirchenpräsident Jung und Bischöfin Hofmann.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat die zentrale Bedeutung der Seelsorge in der christlichen und muslimischen Glaubenspraxis herausgestellt. Zum Auftakt eines interreligiösen Fachtags in der Evangelischen Akademie Frankfurt erklärte er am Mittwoch, dass die christliche Botschaft letztendlich darauf ziele, „Menschen im Leben zu stärken, zu trösten und zu orientieren.“ Deshalb gelte die Seelsorge zu Recht als „Muttersprache der Kirche“. Auch wenn es den Begriff der Seelsorge im Islam nicht direkt gebe, gehöre es ebenfalls zu den muslimischen Grundfesten, jedem, der sich in Not befinde, unabhängig von den jeweiligen Glaubensüberzeugungen „mit Zuwendung und Barmherzigkeit“ zu begegnen. Umso wichtiger bleibe der kultursensible Einsatz der Seelsorge in einer zunehmend multireligiösen Gesellschaft. 

 

Religiöse Aspekte bei der Verarbeitung von Katastrophen 

 

Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, erinnerte bei der Tagung an die herausragende Rolle der Notfallseelsorge bei den rassistischen Anschlägen von Hanau im Jahr 2020. So habe dort die Konfession oder Religionszugehörigkeit im Schockmoment keine Rolle gespielt. Erst später, „wenn es um die Verarbeitung des Erlebten geht, spielt die eigene religiöse Tradition eine größere Rolle.“ Das Beispiel der Notfallseelsorge zeige: „Es ist gut, wenn Seelsorge interreligiös agieren kann und wenn die Seelsorgenden wissen, wann und inwiefern die eigene Religiosität eine Rolle spielt. Es wird daher immer wichtiger, kultursensibel und interreligiös kompetent zu sein.“ Zudem habe die Begegnung über Religionen hinweg bei dem Fachtag „in dieser krisenhaften Zeit eine wichtige Funktion“.

 

Kultursensibilität in Notfall- Krankenhausseelsorge  

 

Die 4. Interreligiöse Fachtagung mit 40 Beteiligten stand unter dem Titel „Seelsorge in islamischer und christlicher Perspektive – eine interreligiöse Betrachtung“. Durch die zunehmende Pluralisierung in der deutschen Gesellschaft ist ein kultursensibler Umgang beispielsweise in Krankenhäusern, bei der Notfallseelsorge und in weiteren Handlungsfeldern zu einer neuen Herausforderung geworden. So treffen zum Beispiel evangelische Seelsorgende vermehrt auf muslimische Hilfesuchende. Vor diesem Hintergrund waren zuletzt auch ehrenamtliche Initiativen muslimischer Seelsorge entstanden. Die Fachtagung war eine Kooperation zwischen dem evangelischen Zentrum Oekumene (ZOE) in Frankfurt, der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) in Frankfurt sowie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Sie wurde von Prof. Dr. Bekim Agai (AIWG), Professorin Dr. Naime Çakir-Mattner (JLU) und Pfarrer Dr. Andreas Herrmann (ZOE) organisiert.

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