Gewichtheber, Rettungsschwimmer, Soldat – und Pfarrer

veröffentlicht 13.01.2026, Dekanat Worms-Wonnegau

Mit Pfarrer Jürgen Udo Arndt tritt ein außergewöhnlicher Mensch in den Ruhestand

Ein Soldat, der Pfarrer werden will. Das ist außergewöhnlich und war es vor rund vierzig Jahren erst recht. Doch dies allein genügt nicht, um den besonderen Lebensweg von Jürgen Udo Arndt zu skizzierten. Bereits als Jugendlicher hatte er Vieles ausprobiert und erreicht: Deutscher Meister im Gewichtheben, Organist, Rettungsschwimmer, Bademeister und schließlich Fallschirmspringer bei der Bundeswehr. Ein Mann mit Zielen, Durchhaltevermögen und dem erforderlichen Biss – so beschreiben ihn auch seine Weggefährten, als Pfarrer Arndt am 11. Januar in der Osthofener Bergkirche in den Ruhestand verabschiedet wird.  

Der Richtige für die ‚schweren Jungs‘
Ausgerechnet in Offenbach trat Jürgen Udo Arndt seine erste Pfarrstelle an. Ein besonderes Pflaster, wusste in ihrer Ansprache auch Pröpstin Henriette Crüwell zu berichten, die ebenfalls viele Jahre ihren Dienst in der Mainstadt versah. Doch für Arndt hätte es nicht passender sein können: Als Schulpfarrer erreichte er mit der AG Gewichtheben auch Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. 15 Jahre blieb er dort, bis er dann noch einmal einen Neuanfang als Gemeindepfarrer in Osthofen wagte.

‚Gemeinschaft‘ als Antwort auf die Sinnfrage
Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, dies könne die Antwort auf die tägliche Sinnfrage sein, so Pfarrer Jürgen Udo Arndt in seiner Predigt. Gerade in der Jugendarbeit, für die sich Arndt viele Jahre über die Maße engagiert hat, müsse daher Jesu Botschaft „Du bist geliebt.“ vermittelt werden. Nur wer selbst diese „himmlische Zusage“ erlebt habe, könne diese Erfahrung auch weitergeben. Umso dankbarer blickte er daher auf die Früchte seiner Arbeit: „Rund um und in der Kleinen Kirche findet heute jeder seinen Ort, an dem er dabei sein kann.“

20 Jahre für die Notfallseelsorge im Einsatz
Zwei Jahrzehnte lang wirkte er in Osthofen und oft auch darüber hinaus, etwa im Bereich der Notfallseelsorge. Zunächst als Ehrenamtlicher, in den vergangenen Jahren dann hauptberuflich, leistete Pfarrer Arndt erste Hilfe für die Seele und sorgte für die Aus- und Weiterbildung von ehrenamtlich Engagierten. Zahlreiche Mitglieder der Blaulichtfamilie waren erschienen, um ihre Wertschätzung für Arndts überragendes Engagement zum Ausdruck zu bringen. Besonders dankten ihm die zuständigen Dekaninnen Susanne Schmuck-Schätzel (Dekanat Alzey-Wöllstein) und Jutta Herbert (Dekanat Worms-Wonnegau), die selbst über zwanzig Jahre in der Notfallseelsorge im Einsatz war. Während dieser Zeit hätten sie „viel Schweres miteinander getragen“, so Dekanin Herbert. Die Ruhestandsversetzung von Pfarrer Arndt stellt auch für den Bereich der Notfallseelsorge eine Zäsur dar, denn nach über 25 Jahren haben die beiden Evangelischen Dekanate zum 1. Januar 2026 die Trägerschaft der Notfallseelsorge im nördlichen Landkreis Alzey-Worms an das Bistum Mainz übertragen.

Musikalisch herausragender Gottesdienst
Als „musikalisch außergewöhnlich beschwingt“ kündigte Pfarrer Jürgen Udo Arndt den Gottesdienst anlässlich seiner Entpflichtung aus dem Dienst in der Kirchengemeinde Osthofen  und der Notfallseelsorge an und er sollte Recht behalten: Dank Petra Fluhr (Oboe und Flöte), Konzertorganist Bernhardt Brand-Hofmeister sowie den Chören FiveLines aus Osthofen (Leitung: Jürgen Gündner) und Coloured Voices aus Dannstadt-Assenheim (Leitung: Volker Gütermann) wurde dieser besondere Gottesdienst zum musikalischen Erlebnis.