Mit einem festlichen Gottesdienst wird Pfarrer Volker Johannes Fey am Sonntag, 27. September, um 15.00 Uhr in der Wormser Dreifaltigkeitskirche in den Ruhestand verabschiedet. Nach fast vier Jahrzehnten im Pfarrdienst endet damit ein Berufsweg, den Fey nach eigener Aussage nie gegen einen anderen hätte eintauschen wollen.
Frühe Prägung und Weg ins Pfarramt
Aufgewachsen in Offenbach am Main, kam Volker Johannes Fey schon früh mit biblischen Geschichten und kirchlichem Leben in Berührung. Geprägt wurde er insbesondere durch seine Großmutter, eine Sieben-Tage-Adventistin, bei deren Hauskreisen er als Kind gerne dabei war. Hinzu kamen der Kindergottesdienst, die Jungschar sowie ein Religionsunterricht am Leibnizgymnasium, die ihn nachhaltig beeindruckten. Obwohl ihm ausgerechnet sein damaliger Gemeindepfarrer eher zu einer Banklehre geraten hatte, entschied sich Fey nach dem Abitur für das Theologiestudium zunächst an der Kirchlichen Hochschule Bethel, später in Heidelberg und Marburg.
Zwanzig Jahre in Osthofen
1986 führte ihn das Vikariat nach Rheinhessen. Nach zwei Jahren in Nieder-Olm wurde er 1988 Gemeindepfarrer in Osthofen, wo er zwanzig Jahre lang wirkte. „Die Menschen dort haben mir gelegen“, sagt Fey rückblickend. „Man konnte etwas gestalten, die Leute waren offen für vieles.“ Besonders die Zusammenarbeit mit Winzern und Landwirten machte ihm Freude. In diese Zeit fiel auch das intensiv gefeierte Jubiläum: „250 Jahre Wiedereinweihung der Bergkirche“. 1998 bis 2008 hatte er neben dem Pfarramt auch den Vorstandsvorsitz der Evangelischen Sozialstation Osthofen inne, für die 2002/03 die heutige Pflegezentrale Auf der Rosselshecke entstand. Eigentlich habe er sich nicht vorstellen können, Osthofen zu verlassen.
Wendepunkte – 18 Jahre in Worms
Doch über seine Mitwirkung im Wormser Bachchor seit den Nuller Jahren bestand bereits eine Verbindung nach Worms – und als die Pfarrstelle an der Dreifaltigkeitskirche frei wurde, entschied er sich noch einmal für einen Neuanfang. Dieser fiel 2009 direkt mit der gerade begonnenen Lutherdekade zusammen. Bis zum Jahr 2017 – in Worms sogar bis zum Jahr 2021 – waren Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte und Kirchenführungen rund um die Themen „500 Jahre Thesenanschlag in Wittenberg“ und „500 Jahre Wormser Reichstag“ zu organisieren. Aus der ganzen lutherischen Welt kamen Gäste auf den Spuren Luthers nach Worms. „An manchen Tagen war ich mehrfach täglich in der Kirche“, erinnert sich Fey. Es gab Veranstaltungen, zu denen Bundes- und Landesminister, Ministerpräsidentin, Landesbischöfe, Kardinal Lehmann und Margot Käßmann anreisten. Trotz der damit verbundenen Arbeitsbelastung habe er seinen Beruf immer mit großer Leidenschaft ausgeübt. Die Aufgabe, der Kirche in der Stadt und in der Region ein Gesicht zu geben, war in jedem Fall reizvoll. Dazu gehörte auch die Durchführung der Jubiläumsfeierlichkeiten im Rahmen des 300-jährigen Bestehens der Dreifaltigkeitskirche – vom 300. Jahrestag der Grundsteinlegung 2009 bis zum 300. Jahrestag der Einweihung 2025, der u.a. durch die Herausgabe eines Buches gekrönt wurde. Auch persönlich musste Fey schwere Zeiten bewältigen. Im Jahr 2019 hatte er noch einmal einen Wechsel aufs Land, in die Gemeinde Westhofen-Abenheim, erwogen, verwarf diese Pläne jedoch nach dem Tod seines jüngsten Sohnes. Rückblickend sei dies die richtige Entscheidung gewesen: „Am Ende hat sich alles gefügt!“
Kirche im Wandel
Mit Sorge blickt Fey auf die Entwicklungen innerhalb der Kirche: „Die Gemeinden werden kleiner und die Wege für die Gemeindeglieder weiter“, sagt er. Bereits während des Studiums habe er geahnt, dass es einmal schwierig werden würde für die Kirche – allerdings erst später. Die Corona-Pandemie habe diesen Prozess zusätzlich beschleunigt. Besonders schmerzhaft empfindet er, dass in der Dreifaltigkeitskirche heute an „normalen“ Sonntagen nicht mehr regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Gleichzeitig sieht er in der Fusion der Wormser Innenstadtgemeinden auch Chancen: Es sind neue Kontakte in die Stadt hinein entstanden, die gegenseitige Vertretung der Kollegen in einem Nachbarschaftsraum ist einfacher und durch die Aufgabenteilung bleibt mehr Zeit für die Vorbereitung.
Leidenschaft für Unterricht, Liturgie und Predigt
Besonderen Wert legte Fey auf die liturgische Gestaltung und die Predigten im Gottesdienst. „Ich bereite mich gerne gründlich vor und arbeite alles Wort für Wort aus“, erzählt er. Sein Ziel sei es gewesen, einmal über jeden Bibeltext zu predigen. Am meisten werde er deshalb auch die Gottesdienste vermissen: „Den Menschen etwas weiterzugeben, das ich mir erarbeitet habe – das mochte ich immer besonders“, sagt er rückblickend. Aber auch der Konfirmanden- und Religionsunterricht, das Singen mit den Kindergarten-Kindern und die Seniorenarbeit machten ihm große Freude.
Vorfreude auf den Ruhestand
Auf den Ruhestand freut sich Fey nun dennoch. „Seit der Vorbereitung aufs Abitur bin ich immer am Rödeln“, sagt er lachend, „jede Predigt, jede Taufe oder Beerdigung ein Abgabetermin!“ – Nun freue er sich darauf, nicht mehr ständig unter Termindruck zu stehen. Kurz nach Ostern wurde sein fünftes Enkelkind geboren – jetzt soll endlich mehr Zeit für seine Frau Silke und die Familie sein.
Ein Pfarrer mit Besen und offenen Ohren
Nach fast 18 Jahren in Worms ziehen Fey und seine Frau nach Bensheim. Der bewusste Neuanfang sei ihm wichtig gewesen: In Worms würde er immer „der Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche“ bleiben. Ganz loslassen wird ihn die Tätigkeit als Pfarrer allerdings nicht – die Kolleginnen und Kollegen am neuen Wohnort freuten sich bereits auf Unterstützung, sagt er schmunzelnd. In Erinnerung bleiben wird Volker Johannes Fey nicht nur durch seine Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und insgesamt 998 Beerdigungen, sondern auch durch seine ganz praktische Art: Oft griff er selbst zum Besen, um rund um die Dreifaltigkeitskirche oder das Gemeindehaus zu kehren. „Die Veranstaltungen beginnen vor den Gebäuden, das Umfeld ist unsere Visitenkarte!“, ist er überzeugt. – Dabei entstanden immer wieder zufällige Begegnungen – von Gemeindegliedern über Touristen bis hin zu jungen Familien, die nach Taufterminen fragten. „Mit die besten Gespräche hatte ich niederschwellig und spontan beim Kehren“, sagt Fey mit einem Lachen.