Segen für die nächste Etappe

veröffentlicht 03.10.2026 von ysch, Dekanat Worms-Wonnegau

Rund 50 Menschen feiern ersten Camper-Gottesdienst in Worms

Gottesdienst zwischen Wohnmobilen: Bei strahlendem Herbstwetter haben am Freitag rund 50 Menschen auf dem Stellplatz am Mondscheinweg den ersten Camper-Gottesdienst in Worms gefeiert. Unter dem Motto „Unterwegs sein – behütet bleiben“ standen Gemeinschaft, Reiselust und der Segen für die nächsten Wege im Mittelpunkt.

Dass dieser besondere Gottesdienst nun erstmals in der Nibelungenstadt stattfand, ist Alexander Bertram zu verdanken. Viele Jahre betrieb er einen Wohnmobilstellplatz an der Nordsee und lud dort bereits zu neun Segensgottesdiensten ein. Inzwischen ist Bertram nach Worms zurückgekehrt und zur „guten Seele“ des Stellplatzes am Mondscheinweg geworden. Seine Idee, auch dort einen Gottesdienst für Camperinnen und Camper zu feiern, stieß bei Dekanin Jutta Herbert auf offene Ohren – nicht zuletzt, weil sie selbst passionierte Camperin ist.

So wurde Bertrams zehnter Segensgottesdienst zugleich zur Wormser Premiere. Neben Herbert und Bertram wirkte Safiullah Jabarkhail an der Gestaltung des Gottesdienstes mit. Für die musikalische Atmosphäre sorgten Thorsten Mühlberger am Piano und Katrin Birkenstock mit Gesang. Herbert und Bertram hoffen nun, dass aus der Premiere der Auftakt zu einer neuen Gottesdienstreihe wird.

Wenn das Leben die Route neu berechnet

In ihrer Predigt griff Herbert Erfahrungen auf, die wohl jeder kennt, der häufiger unterwegs ist: Die Route ist geplant, das Navi weist den Weg – und plötzlich zwingt eine Umleitung dazu, die Pläne zu ändern. „Das Leben ist manchmal genauso“, schlug die Dekanin den Bogen vom Reisen zum Alltag. Nicht alles lasse sich planen oder kontrollieren. „Wir dürfen planen. Aber wir müssen nicht alles im Griff haben.“

Ausgehend von der biblischen Geschichte von Jesus und seinen Jüngern im Sturm sprach Herbert darüber, was es bedeuten kann, auch auf schwierigen Wegstrecken auf Gottes Begleitung zu vertrauen. Glaube sei keine Garantie dafür, dass alles reibungslos verlaufe: „Gott ist nicht derjenige, der uns verspricht, dass auf jeder Straße alles glattläuft. Aber Gott verspricht: Ich gehe mit.“ Manchmal zeige sich diese Begleitung gerade in anderen Menschen, die zuhören, helfen oder ein Stück des Weges mitgehen.

Für den Gottesdienst von Hamburg nach Worms

Dass diese Botschaft Menschen weit über Worms hinaus erreicht, zeigte sich auch an einigen der Gäste. Klaus und Christiane Rotehüser waren eigens aus Hamburg angereist. Die beiden Rentner hatten keinen der von Bertram initiierten Camper-Gottesdienste an der Nordsee verpasst und machten sich nun auch zur Wormser Premiere auf den Weg. „Einen Segen kann man doch immer brauchen“, erklärten sie ihre Motivation für die weite Reise. Auch beim nächsten Gottesdienst wollen sie wieder dabei sein.

Ein Paar aus Kassel legte auf der Rückreise aus Südtirol einen Zwischenstopp in Worms ein und zeigte sich ebenfalls begeistert. Die beiden schwärmten von der „außergewöhnlichen Stimmung auf dem Platz“ und dem „ganz besonderen Gottesdienstangebot“ – etwas Vergleichbares finde man nicht oft.

Persönlicher Segen für die nächsten Wege

Zum Höhepunkt des Gottesdienstes wurde die persönliche Segnung der Camperinnen und Camper. Direkt an ihren Wohnmobilen empfingen sie mit Handauflegung den Segen für ihre weiteren Wege. Auch Gäste ohne eigenes Fahrzeug konnten sich segnen lassen. Herbert bat dabei um Bewahrung vor Unfall und Gefahr, um „offene Augen für die Schönheit am Wegesrand“ und offene Herzen für die Menschen, die einem unterwegs begegnen

Damit passte der Abschluss zu einem Gedanken, der den gesamten Gottesdienst durchzog: Unterwegssein bedeutet nicht nur, neue Orte zu erreichen. Es bedeutet auch, Menschen zu begegnen, Gemeinschaft zu erfahren und einander zu helfen. Oder, wie Herbert es in ihrer Predigt formulierte: „Das Schönste am Unterwegssein sind oft gar nicht die Orte, die man erreicht. Es sind die Menschen, die man unterwegs trifft.“

Nach der gelungenen Premiere soll es deshalb nach dem Wunsch von Herbert und Bertram nicht bei diesem einen Gottesdienst bleiben. Bertrams zehnter Camper-Gottesdienst könnte damit zugleich der erste einer neuen Wormser Tradition gewesen sein.