Zukunftsfragen, Demokratie und Digitalisierung

veröffentlicht 20.05.2026, Dekanat Worms-Wonnegau

Dekanatssynode tagt in Worms

Bei ihrer jüngsten Tagung hat sich die Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau mit zahlreichen Zukunftsfragen der Kirche beschäftigt. Themen waren unter anderem die Weiterentwicklung der kirchlichen Strukturen, der Umgang mit extremistischen Positionen, Digitalisierung, Personalgewinnung sowie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Synode ist das regionale Kirchenparlament des Dekanats.

Verabschiedungen langjähriger Mitarbeitender

Zu Beginn der Sitzung wurden mehrere Mitarbeitende verabschiedet. Gemeindepädagogin Analena Steuber-Hermani verlässt das Dekanat, um sich beruflich neu zu orientieren. Verabschiedet wurde außerdem Juliane Schweda, langjährige Gemeindesekretärin in Worms-Pfiffligheim, die in den Ruhestand geht und sich über viele Jahre engagiert als Vorsitzende in der Mitarbeitendenvertretung (MAV) eingebracht hat. Ebenfalls verabschiedet wurde Susanne Eckenbach, deren Stelle in der Hochschulseelsorge in Worms wegfällt. Sie bleibt jedoch weiterhin als Gemeindesekretärin in der Wormser Innenstadtgemeinde tätig.

Anpassung der Kirchengemeindewahlordnung

Ein Schwerpunkt der Tagung war die Änderung der Kirchengemeindewahlordnung (KGWO) durch die Landessynode. Hintergrund ist die intensive Auseinandersetzung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit Rechtspopulismus und menschenfeindlichen Ideologien. Dekanin Jutta Herbert war Mitglied der von Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz einberufenen Arbeitsgruppe, die die theologischen Grundlagen für die Gesetzesänderung erarbeitet hat. In einem ausführlichen Beitrag stellte Herbert zentrale Inhalte des Papiers vor: Die Kirche verstehe sich als offene Gemeinschaft, in der alle Menschen willkommen seien. Grundlage kirchlichen Handelns seien Gottes Liebe und die gleiche Würde aller Menschen. Die Kirche setze sich für gesellschaftlich Benachteiligte ein, trete Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegen und verstehe Vielfalt sowie demokratischen Dialog als Bereicherung. „Wir wenden uns gegen eine Kultur des Misstrauens und der Ablehnung. Wir werben für eine Kultur des Vertrauens und des Zutrauens“, zitierte Herbert aus dem Grundlagentext.

Ergänzend erläuterte Bernd Weirauch, Vorsitzender des Rechtsausschusses der Landessynode, die konkreten Auswirkungen der Neuregelung. Künftig dürfen nur Personen für Kirchenvorstände kandidieren, die „sich weder kirchenfeindlich verhalten noch extremistische, antisemitische, rassistische oder sonst menschenverachtende Positionen vertreten oder in Organisationen Mitglied sind oder sich betätigen, die entsprechende Positionen vertreten“. Kandidierende müssen dies künftig schriftlich erklären. Damit bestehe auch die Möglichkeit, bei Verstößen eine Amtsenthebung vorzunehmen.

Arbeitgebermarke für die EKHN

Mit dem landeskirchlichen Projekt „MaBig“ stellten Vera Bickel und Florian Gantner eine Initiative zur Mitarbeitendengewinnung und -bindung vor. Ziel sei es, die EKHN langfristig als attraktive Arbeitgeberin zu stärken. Derzeit werde eine neue Arbeitgebermarke entwickelt, die später über eine Kampagne kommuniziert werden soll. Grundlage seien Interviews mit Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Berufsgruppen gewesen. Daraus entstand der Slogan: „Menschlich. Miteinander. Mit dir.“

Digitale Sichtbarkeit im Dekanat

Über die Online-Auftritte im Dekanat informierte Yvonne Schnur, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand insbesondere der Webbaukasten der EKHN, den das Dekanat seit 2024 nutzt. Hervorgehoben wurden die einfache Bedienbarkeit, die zentrale technische Betreuung sowie die Möglichkeit, Inhalte unkompliziert zwischen verschiedenen Webseiten zu teilen. Auch Aspekte wie Datenschutz, Sicherheit und die Unterstützung durch Schulungen und technische Ansprechpartner wurden thematisiert. Inzwischen nutzen mehrere Einrichtungen und fünf der sechs Nachbarschaftsräume im Dekanat das System.

Berichte aus den Nachbarschaftsräumen

Auch die neuen Nachbarschaftsräume und Gesamtkirchengemeinden berichteten über ihre aktuellen Entwicklungen. Für die Kirchengemeinde Worms-Innenstadt erläuterte Dr. Ulrich Oelschläger, dass derzeit insbesondere die zukünftige Nutzung der Gebäude diskutiert werde, darunter auch das sanierungsbedürftige „Rote Haus“. Für die Kirchengemeinde Brot und Rosen Worms erklärte Jörg Bürgis, dass dort bereits vor der Neustrukturierung viel gemeinsam gearbeitet worden sei. Der gemeinsame Kirchenvorstand arbeite konstruktiv zusammen. Für die Gesamtkirchengemeinde in den Weinbergen Worms sprach Pfarrer Thomas Ludwig: Der dörfliche Charakter der Vororte und die gemeinsame Identität würden die Zusammenarbeit stärken. Trotz zusätzlicher Gremienarbeit werde die neue Struktur von vielen engagiert mitgetragen. Pfarrerin Franziska Endres berichtete aus der Gesamtkirchengemeinde Petrusgemeinde Südlicher Wonnegau, dass derzeit Prioritäten gesetzt und Arbeitsbereiche neu gebündelt würden. So sei etwa die Zahl der Gemeindebriefe reduziert worden. Auch die Konfirmandenarbeit werde neu organisiert. Andreas Schenk informierte über den Weg zur neuen „Gesamtkirchengemeinde Wonnegau-Berggemeinden“. Die zentrale Verwaltung solle künftig in Hillesheim angesiedelt werden. Aus der Gesamtkirchengemeinde Altrhein-Wonnegau schließlich berichtete Pfarrerin Christina Groß von einem hohen Arbeitstempo in den Veränderungsprozessen. Gleichzeitig sei die langjährige Erfahrung mit regionalen Gottesdiensten eine wichtige Grundlage für die gemeinsame Zukunft.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Dr. Peter Diehl berichtete aus dem Schöpfungsausschuss des Dekanats über die geplante Einführung des kirchlichen Umweltsiegels „Grüner Hahn“. Ein erstes Umweltaudit für das Dekanat sei in Vorbereitung. Zudem würden weitere Mitglieder für das Umweltteam gesucht.

Informationen aus der Landessynode

Der Vorsitzende des Dekanatssynodalvorstands, Alexander Ebert, informierte abschließend über aktuelle Beschlüsse der EKHN-Landessynode. Bis 2035 seien weitere Einsparungen vorgesehen, gleichzeitig solle der Klimaschutz stärker vorangebracht werden. Ergänzend berichtete Jörg Bürgis über das verabschiedete Verwaltungsneuordnungsgesetz. Die bisherigen Regionalverwaltungen sollen künftig in die Kirchenverwaltung integriert werden. Neue Verwaltungsleitungen sollen dabei Kirchenvorstände entlasten und Verwaltungsaufgaben bündeln. Auch über die zukünftige Struktur der Kirchenleitung wurde beraten. Vorgesehen sei unter anderem eine Reduzierung der Propsteien von fünf auf drei sowie eine weitere Verringerung der Zahl der Dekanate.