Wie sicher ist die Türkei für Menschen, die dort politisch verfolgt oder diskriminiert werden? Und welche Folgen hat die europäische Asylpolitik für Geflüchtete, die in Deutschland Schutz suchen? Diesen Fragen widmet sich ein Informations- und Diskussionsabend am Freitag, 13. November, um 19 Uhr im Dreifaltigkeitssaal, Adenauerring 3, in Worms. Als Referentin ist Amke Dietert, Türkei-Expertin von Amnesty International, zu Gast.
Hintergrund sind die Veränderungen im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem, die im Juni 2026 wirksam wurden. Sie sehen vor, dass EU-Beitrittskandidaten wie die Türkei grundsätzlich als sichere Herkunftsstaaten gelten. Die Veranstalter kritisieren, dass sich dadurch die Chancen türkischer Asylsuchender auf Schutz in Deutschland erheblich verschlechtern. Auch in Worms seien mehrere Familien und Einzelpersonen betroffen, die nach eigenen Angaben in der Türkei Diskriminierung, Verfolgung und Folter erlebt haben. Neben drohenden Abschiebungen erschwerten Einschränkungen beim Zugang zu Sprachkursen, Ausbildung und Arbeitsmarkt ihre Integration.
Menschenrechtslage wirft Fragen auf
Gleichzeitig gibt es weiterhin erhebliche Bedenken hinsichtlich der Menschenrechtslage in der Türkei. Das Auswärtige Amt weist in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen unter anderem darauf hin, dass auch deutsche Staatsangehörige willkürlich festgenommen werden können. Selbst das Teilen oder Kommentieren regierungskritischer Beiträge in sozialen Medien kann strafrechtliche Konsequenzen haben. Im September 2026 sorgte zudem eine Verhaftungswelle gegen Angehörige und Organisationen der LGBTIQ-Community mit mehr als 100 Festnahmen international für Kritik.
Wie passt diese Situation zur Einstufung der Türkei als sicheres Herkunftsland? Welche Auswirkungen hat die europäische Asylpolitik auf die Betroffenen? Und welche Möglichkeiten gibt es, Menschen zu unterstützen, denen eine Abschiebung droht? Darüber wird Amke Dietert informieren und mit den Besucherinnen und Besuchern diskutieren.
Der Abend wird gemeinsam vom Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau, dem Helferkreis Asyl Worms e. V., der Alevitischen Gemeinde Worms und Umgebung, Amnesty International, dem Flüchtlingsrat Rheinland-Pfalz sowie dem Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz veranstaltet. Gefördert wird die Veranstaltung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.