Vor 500 Jahren wurde in Worms ein Buch gedruckt, das Geschichte schreiben sollte: 1526 erschien in der Druckerei Peter Schöffers des Jüngeren William Tyndales englische Übersetzung des Neuen Testaments. Zum Jubiläum widmet das Museum der Stadt Worms im Andreasstift dem Reformator, Bibelübersetzer und seinem Werk die Sonderausstellung „Made in Worms – William Tyndale’s New Testament 1526“. Sie ist noch bis zum 10. Januar 2027 zu sehen.
William Tyndales Ziel war ebenso einfach wie für seine Zeit gefährlich: Auch Menschen ohne Lateinkenntnisse sollten die Bibel selbst lesen und verstehen können. Seine Übersetzung entstand aus dem griechischen Originaltext. Weil ein Druck in England nicht möglich war, führte Tyndales Weg auf den europäischen Kontinent – und schließlich nach Worms. Hier fand er mit Peter Schöffer dem Jüngeren einen Drucker, der sein Neues Testament 1526 veröffentlichte.
Tyndales Arbeit wirkte weit über ihre Entstehungszeit hinaus. Seine Übersetzung beeinflusste spätere englische Bibelausgaben und prägte die Entwicklung der englischen Sprache und Literatur nachhaltig. Die Wormser Ausstellung stellt deshalb nicht nur Tyndales Leben und Wirken vor, sondern nimmt auch die Reformation in England, den frühen Buchdruck und die Druckerfamilie Schöffer in den Blick. Made_in_Worms_Begleitprogrammhe…
Ein Original kehrt nach Worms zurück
Besonderes Herzstück der Ausstellung ist das weltweit einzige vollständig erhaltene Exemplar des Erstdrucks von 1526. Nach 500 Jahren kehrt es für begrenzte Zeit an den Ort seiner Entstehung zurück. Zu den weiteren Exponaten gehört unter anderem eine King James Bible aus dem Besitz Elisabeth Stuarts, der Tochter von König James I. und Ehefrau des sogenannten „Winterkönigs“.
Begleitet wird die Sonderausstellung von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm. Vorträge und Veranstaltungen beleuchten Tyndales Wirken aus unterschiedlichen Perspektiven – von der Geschichte der Druckerfamilie Schöffer über die englische Reformation bis zu den internationalen Handelswegen, über die Tyndales verbotene Bibelübersetzung nach England gelangte. Hinzu kommen Führungen und museumspädagogische Angebote.
Auch die Magnuskirche wird mehrfach zum Veranstaltungsort. Am Sonntag, 18. Oktober, spricht Dr. Peter Hinton von der Saïd Business School der University of Oxford über die Rolle internationaler Handels- und Wirtschaftsnetzwerke bei der Verbreitung von Tyndales Werk. Am Donnerstag, 19. November, widmet sich Prof. em. Dr. Erich Pelzer von der Universität Mannheim Peter Schöffer dem Jüngeren und dessen Wirken in Worms. Zum Abschluss der Vortragsreihe spricht am 7. Januar 2027 die britische Historikerin Dr. Joanne Paul von der University of Sussex über den Humanisten und Staatsmann Thomas More, einen der entschiedensten Gegner Tyndales. Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen ist frei.
Führungen und Workshops
Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung werden an mehreren Terminen bis zum 10. Januar angeboten. Darüber hinaus können Gruppen eigene Führungen buchen. Workshops vermitteln den historischen Buchdruck praktisch: Beim „Drucken von Tyndale-Texten“ arbeiten die Teilnehmenden mit beweglichen Lettern, während sich die Schreibwerkstatt „Die Sprache der Tinte“ der Kunst des Schönschreibens widmet. Für Schulklassen verbindet das Angebot „Aufgeschlagen“ eine Führung mit einem eigenen Druckworkshop.
Die Sonderausstellung „Made in Worms – William Tyndale’s New Testament 1526“ ist bis zum 10. Januar 2027 im Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Weckerlingplatz 7, zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Das Begleitprogramm zum Download [pdf]